Normales oder instinktives Verhalten
Für viele Hunde scheint Grasfressen zum normalen Verhaltens- und Fressrepertoire zu gehören, ohne dass eine Erkrankung oder ein Nährstoffmangel dahinterstehen muss. Pflanzen- und Grasaufnahme ist auch bei wildlebenden Caniden beschrieben. Das unterstützt die Hypothese, dass Pflanzenfressen bei Haushunden zumindest teilweise eine angeborene, evolutionär erhaltene Verhaltenskomponente haben könnte.
Auch bei jungen Hunden ist Gras- und Pflanzenfressen häufig zu beobachten. Bei Welpen ist dennoch besondere Aufmerksamkeit sinnvoll, weil sie beim Erkunden ihrer Umwelt leichter ungeeignetes oder potenziell gefährliches Material aufnehmen. Bei wiederholtem Erbrechen, Durchfall, Futterverweigerung oder beeinträchtigtem Allgemeinzustand solltest Du frühzeitig tierärztlichen Rat einholen.
Magenreizungen, Übelkeit oder Unwohlsein
Bei einzelnen Hunden kann vermehrtes Grasfressen im Zusammenhang mit gastrointestinalem Unwohlsein auftreten. Ob dabei beispielsweise Übelkeit, eine Magen-Darm-Reizung oder andere Beschwerden eine Rolle spielen, lässt sich allein anhand des Grasfressens jedoch nicht feststellen.
In einer kleinen kontrollierten Beobachtungsstudie mit zwölf Hunden wurde Gras häufiger vor als nach einer Mahlzeit gefressen. Außerdem nahm das Grasfressen im Tagesverlauf ab. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass unter anderem Sättigung und Tageszeit das Verhalten beeinflussen können.2
Mehr zu möglichen Beschwerden des oberen Magen-Darm-Trakts erfährst Du in unserem Ratgeber Sodbrennen beim Hund. Grasfressen allein ist jedoch kein Beweis für Reflux oder Sodbrennen.
Langeweile, Stress oder erlerntes Verhalten
Auch verhaltensbezogene Faktoren wie Langeweile, Stress oder erlerntes Verhalten werden als mögliche Einflussfaktoren diskutiert. Wie bedeutsam sie speziell für das Grasfressen sind, ist wissenschaftlich bislang nur unzureichend untersucht.
- Tritt das Verhalten zuverlässig in bestimmten aufregenden oder belastenden Situationen auf?
- Treten gleichzeitig andere Verhaltensänderungen auf, zum Beispiel vermehrte Unruhe, repetitive Verhaltensweisen oder Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen?
Solche Beobachtungen können Hinweise darauf geben, dass verhaltensbezogene Faktoren eine Rolle spielen. Sie schließen eine medizinische Ursache jedoch nicht aus.
Ernährung, Ballaststoffe und Verdauung
Da Gras Ballaststoffe enthält, wird diskutiert, ob die Ballaststoffversorgung bei einzelnen Hunden das Grasfressen beeinflussen könnte. Aus einzelnen Beobachtungen lässt sich jedoch kein allgemeiner Zusammenhang ableiten. Grasfressen allein ist kein Hinweis darauf, dass die Fütterung zu wenig Ballaststoffe enthält.
Eine individuell passende, gut verträgliche Ernährung mit geeigneten Ballaststoffquellen kann die Darmfunktion und eine normale Kotkonsistenz unterstützen. Ob und in welchem Maß die Zusammensetzung der Fütterung beeinflusst, wie häufig ein Hund Gras frisst, ist bislang nicht ausreichend geklärt. Bei auffälligem oder verändertem Grasfressen kann es dennoch sinnvoll sein, die Fütterung als einen möglichen Einflussfaktor mit zu betrachten.
Wenn Du mehr über das Darmmikrobiom und geeignete Unterstützungsmaßnahmen erfahren möchtest, findest Du weitere Informationen im Ratgeber Darmflora beim Hund aufbauen.
Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
Häufiges oder plötzlich verändertes Grasfressen kann bei einzelnen Hunden auch gemeinsam mit einer Erkrankung des Magen-Darm-Trakts auftreten. Dazu gehören beispielsweise akute oder chronische Magen-Darm-Entzündungen, Parasitosen, Fremdkörper oder andere Erkrankungen, die mit Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall einhergehen können. Grasfressen allein lässt jedoch keinen Rückschluss auf eine bestimmte Erkrankung zu.